Zuflussprinzip: der richtige Zeitpunkt für die Steuervergünstigung

Wenn es um Steuern oder Steuervergünstigungen geht, schaut der Finanzbeamte meist darauf, wann der Angestellte das Geld oder den geldwerten Vorteil erhalten hat. Im Steuerrecht spricht man vom so genannten Zuflussprinzip. So wird zum Beispiel nur der ausgezahlte Arbeitslohn mit Lohnsteuer belegt. Die Steuer entsteht also in dem Moment, in dem das Gehalt dem Arbeitnehmer zufließt.

 

 

Steuervergünstigt motivieren: der Sachbezug

Steuerpflichtig sind aber nicht nur Einnahmen in Euro und Cent, sondern alle Güter, die einen bestimmten Gegenwert haben: Der Angestellte erhält dadurch einen geldwerten Vorteil, weil er eine Sache oder eine Leistung bekommt, für die er weniger als üblich oder gar nichts zahlen muss. Allerdings gibt es für diese Sachbezüge Steuervergünstigungen. Denn häufig werden sie eingesetzt, um gute Leistungen anzuerkennen oder Mitarbeiter für neue Projekte zu motivieren. Aus diesem Grund sind Sachbezüge bis zu einer monatlichen Freigrenze von 44 Euro steuer- und sozialversicherungsfrei. So können Arbeitgeber ihre Angestellten anstatt mit einer Gehaltserhöhung mit einem steuerfreien Bonus belohnen.

Aber Achtung: Bei den 44 Euro pro Monat handelt es sich nicht um einen Freibetrag, sondern um eine Freigrenze.

Das bedeutet: Überschreitet der Wert des Sachbezugs die Grenze nur um ein paar Cent, führt dies dazu, dass der gesamte Betrag ab dem ersten Euro steuer- und sozialversicherungspflichtig wird. Es ist auch nicht erlaubt, die Freigrenze auf einen Jahresbetrag von 528 Euro hochzurechnen.

 

Achtung: Freigrenze einhalten

Im Gegenteil: Arbeitgeber müssen sämtliche Sachzuwendungen in einem Monat addieren um festzustellen, ob die Freigrenze überschritten wurde oder nicht. Außerdem müssen sie nachweisen können, wann sie beispielsweise den Gutschein überreicht haben. Auch hier geht es um den steuerlichen Zufluss des Sachbezugs und somit um das Einhalten der Freigrenze. 

Die Finanzverwaltung ist der Ansicht, dass bei einem Gutschein, der bei einem Dritten einzulösen ist, der Sachbezug bereits mit Übergabe des Gutscheins zufließt. Zu diesem Zeitpunkt erhält der Mitarbeiter einen Rechtsanspruch gegenüber dem Dritten – somit ist an diesem Tag der geldwerte Vorteil festzuhalten. Elektronische Gutscheinkarten sind hier leichter zu handhaben, da genau bestimmt werden kann, wann die Karte aktiviert wird.

 

 

Gutscheine sammeln: Ansparen möglich

Tipp: Umgekehrt hat der Mitarbeiter die Möglichkeit, Gutscheine über mehrere Monate zu sammeln. Für die 44-Euro-Freigrenze ist es nämlich unwichtig, wann der Arbeitnehmer seinen Gutschein einlöst oder ob er mehrere Monate spart, um sich etwas zu leisten.

Übrigens: Wenn der Gutschein beim Arbeitgeber selbst einzulösen ist, fließt der Sachlohn erst bei dessen Einlösung zu.

Etwas komplizierter gestaltet sich das Zuflussprinzip, wenn dem Mitarbeiter ein Jobticket überlassen wird. Hier sind mehrere Varianten möglich: 

  1. Der Arbeitgeber überreicht seinem Mitarbeiter ein Jobticket zu einem Preis, der mit den Verkehrsbetrieben vereinbart wird.
  2. Er spendiert seinen Angestellten ein Jobticket. 
  3. Der Arbeitgeber teilt sich die Kosten für die Monatsfahrkarte mit dem Arbeitnehmer.

 

Jobticket: Besser keine Jahreskarte

Wenn Sie als Arbeitgeber die Kosten für das Ticket übernehmen, handelt es sich um einen Sachbezug. Entscheidend ist auch hier, wann Sie das Jobticket Ihren Angestellten überreichen. Denn ein Job-Ticket kann zwar als steuerfreier Sachbezug gewährt werden. Hier heißt es allerdings aufpassen. Denn zum einen muss es sich um die Fahrkarte als solche handeln; Sie dürfen Ihren Mitarbeitern also keinen Barzuschuss gewähren. Zum anderen dürfen Sie keine Jahreskarte kaufen, denn die 44-Euro-Freigrenze wirkt sich nur bei einer Monatskarte aus. 

Das Bayerische Landesamt für Steuern hat in einem Erlass allerdings auf einige Gestaltungsmöglichkeiten hingewiesen. Zum einen kann die 44-Euro-Freigrenze angewandt werden, wenn es sich tatsächlich um Monatsmarken handelt. Zum anderen ist es denkbar, dass die Tickets zwar für einen längeren Zeitraum gelten, aber jeden Monat freigeschaltet werden müssen. Auch dann greift der Steuervorteil. 

Darüber hinaus können die Tarif- und Nutzungsbestimmungen des jeweiligen Verkehrsunternehmens interessant sein. Sehen diese für ein Jobticket vor, dass die jeweilige monatliche Fahrberechtigung durch eine rechtzeitige monatliche Zahlung erworben wird, fließt auch der geldwerte Vorteil monatlich.

 

 

Ein Beitrag von
Constanze Elter
Erstellt am 21.01.2016
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