„Lasst mich durch, ich bin Pendler!“ – Der tägliche Wahnsinn auf dem Weg zur Arbeit

Die verschiedenen Pendlertypen in den öffentlichen Verkehrsmitteln

 Der Weg zur Arbeit beginnt für viele von uns mit dem Gang in die Garage und ab in‘s Auto oder auf’s Fahrrad. Einige wenige haben auch das Glück, zu Fuß zum Arbeitsplatz um die Ecke zu gelangen. Und dann wäre da noch eine dritte Gruppe, die sich gemeinsam mit unfreiwillig Gleichgesinnten pilgernd Richtung Bahnhöfe oder Bushaltestellen bewegt, dort versammelt und darauf wartet, ihren Arbeitsweg mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu bestreiten. Denn egal ob Schneesturm oder 37 Grad im Schatten – Öffi-Pendler sind hart im Nehmen. Geduldig wird am Bahnsteig oder der Haltestelle ausgeharrt und alle Wartenden verbindet die gleiche entscheidende Frage: An welchem Abschnitt des Bahn- oder Bürgersteigs muss ich stehenbleiben (und mich von keinem anderen Pendler verdrängen lassen), damit ich noch einen komfortablen Stehplatz oder sogar einen Sitzplatz ergattere?

Sie stellen sich auch jeden Morgen diese Frage? Dann kennen Sie sicher die eine oder andere Spezie unserer Pendler-Typologie. Wir haben für Sie die schrägsten und gleichzeitig verbreitesten Öffi-Pendlertypen unter die Lupe genommen – welcher wird wohl heute Abend neben Ihnen sitzen?

Der, an der Ausstiegstür klebende Fahrgast - kurz: Ausstiegstürkleber

Die meisten Bus- und Bahn-Pendler versuchen morgens beim Einstieg, den besten Platz vor der Einstiegstür zu bekommen – da wird auch mal in Kauf genommen, Aussteigewilligen den Weg zu versperren. Nicht so der Ausstiegstürkleber: Bei einer halbstündigen Fahrt steht er pünktlich nach 15 Minuten auf, um den besten Platz an der Ausstiegstür zu erhalten. Dabei reist er andere Mitfahrende aus ihrem Morgenschlummer oder zwingt sie, aufzustehen und ihn zur Türe durchzulassen. Der 'Ausstiegstürkleber' wirkt auf dem Weg zur Tür meist unglaublich wichtig – bis er dann dort angekommen, die ungläubigen Blicke, die ihn erreichen, nicht mehr erträgt und verzweifelt versucht, sich auf vorbeiziehende Landschaft zu konzentrieren.

Verwandte dieses Typus sind nicht so sehr darauf fixiert, immer als Erste auszusteigen, sondern bei ihnen steht ausschließlich die Türe im Fokus. Auch wenn sich schon eine lange Menschenschlange vor der Ausstiegstür gebildet hat, vertraut der kleine Bruder des 'Ausstiegstürklebers' nicht darauf, dass er auch wirklich am Ende der Schlange zum Aussteigen kommen wird. Nein, er drängelt sich an den Wartenden vorbei bis zur Türe, um dann verschämt feststellen zu müssen, dass die Wartenden sich nicht aus Langeweile vor der Türe platziert haben, sondern auch alle zur Arbeit oder in den Feierabend wollen.

Tipp: Am besten strafen Sie diesen Pendlertyp mit langen, bösen Blicken, wenn er sich mal wieder an Ihnen vorbeigedrängt hat. Doch vertrauen Sie nicht so sehr auf seine Einsicht: Sein zwanghafter Charakter drängt ihn immer wieder von Neuem dazu, an der Tür zu kleben.

Das Multifunktionspärchen

Jede Großstadt ist im Grund genommen ein Dschungel – entsprechend ist Vorsicht angesagt, auch was die Kleidung angeht: Es könnte urplötzlich in Strömen regnen oder öffentliche Verkehrsmittel könnten versagen und man müsste sich einem stundenlangen Fußmarsch durch übervölkerte Einkaufsstraßen und vorbei an unheimlichen Wohnblöcken ausgesetzt sehen. Dafür sollte man gerüstet sein, denn am besten übersteht man solche Gefahren der Großstadt gemeinsam, als Paar, bekleidet mit den gleichen Multifunktions-Regenjacken, die bei Stiftung Warentest als Testsieger abgeschnitten haben.

Und weil es noch eine Trinkflasche in funktioneller Reflektoroptik umsonst dazu gab, kann der morgendliche Kaffee auch im Zug auf sichere und saubere Partnerlook-Art konsumiert werden. Obwohl doch eigentlich der Rucksack einen eingebauten Trinkbeutel enthält, mit dem gut sichtbaren, aus dem Rucksack ragenden Röhrchen, ist es ein Leichtes zu trinken, ohne den Rucksack öffnen zu müssen. So wäre man auch nicht der Gefahr ausgesetzt, sich aus Versehen an der Reflektor-Trinkflasche die Zähne anzustoßen, was beim wie immer viel zu waghalsigen Bremsmanöver des Busfahrers oder durch einen schlaftrunkenen, unaufmerksamen Mitfahrer leicht passieren könnte. Aber wenigstens ist man zu zweit, denn so kann man sich morgens und abends über die unvorsichtigen Mitfahrer unterhalten - aber natürlich ganz unauffällig, nie offen, sondern flüsternd im Ruheabteil.

Das morgendliche Duracell-Häschen

Meist sieht man Duracell-Häschen aus der Ferne nicht - man hört es einfach. Ganz besonders am frühen Morgen, wenn kein anderer Mensch auf die Idee kommt, seine Erlebnisse des vergangenen Tages, das Fernsehprogramm, das Fußballspiel, den letzten Urlaub, die Entwicklungsfortschritte des Kindes oder Haustieres zu kommentieren. Erfahrungsgemäß verfügen Duracell-Häschen über ein unheimlich lautes Organ. Unerklärlicherweise teffen sie meist auch auf Menschen, die ihre ausschweifenden Erzählungen interessant finden und sie darüber hinaus noch anfeuern, durch interessiertes Nachfragen, hysterisches, unterstützendes Lachen oder durch ihr schweigendes Kopfnicken, das einem Duracell-Häschen meist schon als Bestätigung ausreicht. Der Tipp für tägliche Pendler: Beobachten Sie, wo das Duracell-Häschen in Bus und Bahn einsteigt und suchen Sie einen Platz möglichst weit entfernt, wenn Sie nicht um Ihren morgendlichen Dämmerzustand gebracht werden wollen.

Der Morgenmüsli-Esser oder auch spätabends gerne Döner-mit-extra-Zwiebeln-Konsument

Wo das Duracell-Häschen die Ohren beansprucht, übt der Morgenmüsli-Esser einen ungebremsten Anschlag auf die Riechorgane der Mitfahrenden aus. Der Hörsinn ist nur unterschwellig durch die Geräusche betroffen, die beim Auspacken und Konsumieren des Inhalts der mitgebrachten Müsli-Tupperschüsseln, der braunen Papiertüte mit dem großen M oder der Bahnhofs-Bäckerei-Tüte entstehen. Nein, der Morgenmüsli-Esser ist ein besonders effizienter Nutzer seiner Lebenszeit: jede Minute, die mit Warten verbracht wird, ist eine verlorene Minute.

Deshalb wird die Zeit genutzt, um Essbares – ob selbstgemacht oder auf dem Weg erworben – hastig herunterzuschlingen. Ziel ist es, die herumsitzenden und –stehenden Passanten maximal in seine Effizienzüberlegung mit einzubeziehen – sei es auch nur durch die umherfliegenden Croissant-Bröckchen oder die Joghurtspritzer auf Hose oder Jacke. Eine andere Ausprägung des Morgenmüsli-Essers ist sein Kumpel, der vorabendliche Döner-mit-extra-Zwiebeln-Konsument. Diese Spezie zeichnet sich durch ein hemmungsloses Ausdünsten von Verdauungsgerüchen aus, die es in der Nacht davor nicht mehr in die Phase des Abbaus geschafft haben. Der richtige Umgang mit diesem Pendler-Typ? Beherzigen Sie den Tipp, den wir Ihnen beim morgendlichen Duracell-Häschen gegeben haben – dann kommen Sie ohne Übelkeit sicher zur Arbeit.

Die Berufsschüler

Ob Nachsitzen, Strafarbeiten, Schulverweise oder 6er-Zeugnis – die Berufsschüler kennen alles, haben alles schon hundertfach erlebt und sind sowieso total abgeklärt. Morgens wird zum Besten gegeben, wie viele Stunden der Schulzeit in der Raucherecke statt im Klassenzimmer verbracht wurden. Ein großes Thema neben der glänzenden Schulkarriere sind Führerschein und die entsprechende -prüfung, außerdem Trinkgelage, Parties und die neuen Affären, die durchschnittlich zwei Tage andauern. Das alles ist so unheimlich irrelevant, dass Weghören schwer fällt, auch weil die emotionalen Gespräche den Lautstärkepegel überdurchschnittlich ansteigen lassen. Da bleibt nur noch die Aussicht auf baldige Ferien – Berufsschulferien – oder noch besser auf Urlaub von dem anstrengenden Pendleralltag.

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Erstellt am 20.05.2015
Aktualisiert am 20.05.2015
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