KOLUMNE: Ich bin dann mal weg

Das Problem der ständigen Erreichbarkeit

Ich bin dann mal weg - wie sag ich es den anderen?

Kommunikation ist das Zauberwort der modernen Gesellschaft – und Erreichbarkeit der Schlüssel zum Erfolg. Kein Wunder, dass immer mehr Arbeitnehmer oder Selbstständige dank immer besser funktionierender Netze und Smartphones immer besser zur Verfügung stehen. Sei es aus Angst um den Arbeitsplatz, sei es aus Sorge um die Bewältigung aller Aufgaben oder sei es, um das Gefühl der eigenen Wichtigkeit - man steht dem Unternehmen oder den Kunden rund um die Uhr, das ganze Jahr über irgendwie zur Verfügung. Egal ob Urlaub oder Wochenende – als erstes wird die Qualität des Netzes geprüft, um auch garantiert jede noch so exotische E-Mail zu empfangen. Dann kann die Kette aus Frage und Antwort ihren Anfang nehmen – ohne Rücksicht auf Familie, Freunde oder dem eigenen, fast schon verkümmerten Ruhebedürfnis.

Der Weg aus der permanenten Verfügbarkeit

Der einzige Weg aus dieser Verfügbarkeitsspirale ist die ernst gemeinte Abwesenheitsnotiz: Sie ist die klare Ansage an Kollegen und Kunden, dass eine Absenz ansteht, die auch bitte respektiert werden sollte. Egal wie international, sachlich oder humorvoll (dazu gibt es im Netz hunderte Mustertexte) diese Meldung ist, sie sollte vor allem demonstrieren, dass man ersetzlich ist, dass früher auch alles rund gelaufen ist und dass eine Auszeit bitteschön eine Auszeit bleibt.

Angeordnete Unerreichbarkeit

Das fällt natürlich vor allem am Anfang schwer, aber inzwischen zeigt sich, dass immer mehr HR-Verantwortliche in den Unternehmen – von den Berufsverbänden ganz zu schweigen – aus gutem Grund auf das Recht der Unerreichbarkeit pochen. Wenn dann der erste Arbeitstag wieder ansteht, zeigt sich schnell, dass alles nur halb so wild war und dass auf gut bayerisch „nix heit  so wichtig is, als dass es morgn net schon wieda wurscht war‘“. In diesem Sinne verkünde ich gut gelaunt und bester Dinge: Ich bin dann mal weg....

Und so liest sich eine formvollendete Abwesenheitsnotiz laut Agnes Anna Jarosch vom Deutschen Knigge-Rat:

Sehr geehrte Damen und Herren,

vielen Dank für Ihre Nachricht. Ich bin ab dem 7. September wieder im Büro für Sie zu erreichen. In der Zwischenzeit ist Ihnen mein Kollege Herr Jochen Muster gerne behilflich: jochen.muster@firma.de, Telefon: 0123/456789.

Mit freundlichen Grüßen, Anna Freytag

Die Kontaktdaten des Vertreters und ein freundlicher Abschiedsgruß sind laut Jarosch unerlässlich

Ein Beitrag von
Markus Schütz
Erstellt am 26.06.2015
Aktualisiert am 26.06.2015
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