Einkaufen - einst, jetzt und bald

Veränderung des Einkaufsverhaltens auch im Bereich Lebensmittel

Sicher erinnern Sie sich noch: Einmal in der Woche stießen wir Stadtkinder auf unserem Nachhauseweg von der Schule um die Mittagszeit herum auf der Straße auf eine Warteschlange von Hausfrauen.  Die Frauen warteten geduldig und unterhielten sich dabei angeregt vor einem blauen oder schmutzig weißen Lieferwagen an der Straßenecke des städtischen Wohnviertels. Begleitet wurden ihre Gespräche von den lauten Rufen eines Mannes, meist in blauem oder grünem Arbeitskittel, der beherzt eine große Glocke schwang und zu ihren Klängen seine Ware anpries: „Kartoffeln, frische Eier, Weißkohl, Blaukraut, Karotten, Salat, frische Äpfel.“ Der ‚Kartoffelmann‘, so hieß er bei uns Kindern, versorgte die Haushalte der süddeutschen Großstadt in den 60er, 70er und auch noch 80er Jahren mit frischen, regionalen Produkten direkt vom Erzeuger. 

Fast zur gleichen Zeit schlossen die Krämerläden in den Dörfern nach und nach ihre Türen. Denn auf der grünen Wiese vor den Toren der nächstgelegenen Kreisstadt entstanden immer häufiger attraktive Supermärkte mit einem schier unendlichen Angebot. Um die Menschen in den Dörfern und Weiler mit frischen Lebensmitteln zu versorgen, beschlossen die Bäcker, Metzger, Fisch- und Käsehändler, ihre Waren direkt aus Lieferwägen heraus auf dem Marktplatz des Ortes für einige Stunden in der Woche feil zu bieten. So gab es am Dienstag knuspriges Brot und süße Backwaren, am Mittwoch eine große Käseauswahl und am Freitag fangfrischen Fisch zu kaufen. Denn nicht jeder im Dorf war uneingeschränkt mobil und konnte den Weg zum Supermarkt ohne Umstände zurücklegen.

Bio erobert die Städte

In den großen und mittleren Städten wendete sich zum Ende der 90er Jahre hin das Blatt und immer mehr kleine und spezialisierte Lebensmittelanbieter öffneten die Türen ihrer Läden. Bioqualität war und ist angesagt und der Städter ist bereit für Produkte aus der Region auch schon mal tiefer in die Tasche zu greifen. 'Ja' sagen hierzu 75 Prozent bei einer Umfrage Mitte 2013. Parallel dazu entwickelte sich auf dem Land der Hofladen, die Einkaufsmöglichkeit direkt auf dem Hof des Erzeugers. Der Trend ist nicht zu übersehen. Doch auch die großen Lebensmittelanbieter und Diskounter, die das Land netzartig überziehen, springen auf und nehmen in ihr Sortiment Basisprodukte in Bioqualität aus der Region auf.

Der Verbraucher wandelt sich

Der Wunsch nach nachprüfbaren Angaben zu Qualität, kontrolliertem Anbau, Nachhaltigkeit und Rückverfolgung der Aufzucht der Tiere wie auch Art der Herstellung ziehen immer größere Kreise. Zahlreiche Lebensmittelskandale, Gammelfleisch, Umetikettierung, gesundheitsgefährdende Zusatzstoffe, zunehmende Lebensmittelallergien lassen den einst sorglosen und zufriedenen Verbraucher aufhorchen. Aufklärung und Rückbesinnung auf ursprüngliche Formen des Anbaus, die Erkenntnis, dass Massenproduktion nicht mit ethischen und natürlichen Vorstellungen zu vereinen ist, bewegen eine immer größer werdende Anhängerschaft unter den Konsumenten. Gemäß einer Umfrage (1) in 2014 bestätigen 17 Millionen Menschen der deutschsprachigen Bevölkerung die Aussage 'ich bevorzuge nach Möglichkeit Produkte hier aus der Region', mit 'trifft voll und ganz zu'. Tendenz steigend, wenn man die Vergleichswerte der Vorjahre betrachtet.

(1) Verbrauchs- und Medienanalyse - VuMA 2015

Trends wie vegetarische oder vegane Ernährung nehmen zu und bestimmen heute auch schon das Angebot der Lebensmittelindustrie. Was klein anfing, hat mittlerweile einen nicht mehr zu übersehenden Stellenwert in unserer Gesellschaft eingenommen. Die Industrie stellt sich auf vieles ein, um die Kundenzufriedenheit hoch zu halten. Dieses Streben hat Einzug in die unterschiedlichsten Bereiche gefunden. Man denke hier nur an den Einkaufswagen der Selbstbedienungsmärkte, der dem Brillenträger eine Lupe zur Verfügung stellt, damit er nicht nur das Preisetikett, sondern auch die Zutaten des Produktes seiner Wahl nachlesen und gemäß seinen Bedürfnissen abwägen kann! 

Einkaufen morgen

Kühlschrank der ZukunftUnd wie sieht Einkaufen dann in der Zukunft aus? Die Technik wird uns in naher Zukunft zahlreiche Erleichterungen bescheren, um unsere Lebensmittelvorräte zu managen. Unter dem Motto:“ Mein Kühlschrank denkt mit“, basteln Masterstudierende schon seit 2012 an einem Kühlschrank, der mittels Barcode-Scanner die Informationen zu den eingekauften Produkten an den Kühlschrank sendet. Mit einem  einzigen Scan merkt sich Mister Fridge Superbrain die Produkte und das dazugehörige Ablaufdatum wie auch die noch vorhandene Menge per Waage. Mittels einer App spielt er die gewonnen Daten nach Auswertung auf die Online-Einkaufsliste des Handys. So ist klar, dass heute Morgen die Milch ausgegangen ist und die verbleibende Butter im Kühlschrank mit nur noch 30 Gramm bald zur Neige geht.

Doch bis diese innovative Technik in alle Haushalte Einzug gefunden hat, wird sich das Einkaufsverhalten der Generationen auch in andere Richtungen weiterentwickeln. Haben wir doch in der Trendanalyse gelernt, dass oftmals spezifische Bedürfnisse von Gruppen zum Entstehen von Trends unterschiedlicher Ausprägung führen. Ein Bedürfnis und Engpass dieser Art ist fehlende Zeit, für viele heute ein ständiger Begleiter. Und was liegt da näher, als Tätigkeiten, die sich als Zeitfresser herausstellen, zu optimieren? Das Einkaufen von Lebensmitteln gehört sicher für viele dazu. Wir sprechen hier nicht vom Genusseinkäufer auf dem Stadtteilmarkt oder dem Einkäufer, der seinen Einkaufsweg nach der Liste seiner ausgewählten Zutaten für ein aufwändiges Abendessen mit Freunden plant. Nein, hier geht es um den Einkauf für den täglichen Bedarf, sei es in der Dosierung eines Singlehaushalts, für die Lebensgemeinschaft DINK (double income no kids) oder die Patchwork-Großfamilie mit drei bis sechs Kindern und Jugendlichen. 

Lebensmittel auch online einkaufen

Essen online shoppenUnd in einer Zeit, in der wir vom Buch über den neuen Fernseher bis hin zur Waschmaschine auch die glänzenden Highheels, das schicke Freizeithemd oder die neuesten Laufschuhe online bestellen, um uns ein entspanntes Einkaufserlebnis von der Couch aus zu bereiten, liegt es nahe, dass wir bei einem entsprechenden Angebot uns auch Lebensmittel auf diese Weise nach Hause holen. Das führte in den letzten Monaten verstärkt dazu, dass eine immer größer werden Zahl an Anbieter sich den Markt des Online-Einkaufs für Lebensmittel teilen. Die großen Lebensmitteleinzelhändler, aber auch die großen Logistiker haben hier die Nase vorn. Doch auch Nischenanbieter zu einer ausgewählten Produktpalette bieten ihre Lieferdienste dem Konsumenten und Connaisseur an. 

(zu diesem Thema für Sie gelesen: 'Die Stunde der Pioniere', Süddeutsche Zeitung, 27.03.2015, SZ online

In Deutschland wurden 2011 wie auch 2015 jeweils Anfang des Jahres 790 deutschsprachige Internetnutzer von BITKOM zu ihrem online-Einkaufsverhalten befragt. In diesen vier Jahren schnellte die Zahl der Online-Lebensmitteleinkäufer für den privaten Haushalt von neun Prozent auf 28 Prozent nach oben. 

Persönlich, weise ich einen online-Lebensmitteleinkauf noch weit von mir. Doch erst vor ein paar Tagen, als ich ziemlich außer Atem noch kurz vor Ladenschluss von der U-Bahn kommend vom Fahrrad sprang, um in der Reinigung meine Hose abzuholen, war ich der Versuchung nahe, es einmal zu versuchen. Am Bügel der gereinigten Hose hing ein frisch und appetitlich aussehender Werbeträger, der mir die Lieferung von leckeren Angeboten frischer Lebensmittelprodukte ins Haus anbot, untermauert mit einem Gutschein über fünf Euro wie auch der kostenfreien Erstlieferung. Da hatte ich aber schon entschieden, meinen dringend fälligen Einkauf von heute auf morgen zu verschieben. Der Werbeträger aber hängt weiterhin gut sichtbar an der Kühlschranktür. 

Ich bleibe gedanklich dran und hoffe immer noch darauf, dass sich mein Kühlschrank bald direkt mit dem Lebensmittellieferservice kurz schließt und so die beiden die Versorgung meiner Familie zukünftig erfolgreich managen. 

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Erstellt am 26.03.2015
Aktualisiert am 26.03.2015
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