Die Mittagspause optimal nutzen

Die perfekte Mittagspause

Das richtige Essen für die Mittagspause während der Arbeit?

Es ist 12 Uhr mittags, für den Nachmittag sind noch anstrengende Meetings angesagt und Sie wollen Mittagspause machen. Aber was ist denn nun das Beste? Ist es besser, sich zu entspannen und mit netten Kollegen zum Essen zu gehen oder ist es günstiger, sich ein belegtes Brötchen und einen Kaffee zu holen und am Schreibtisch noch mal die Punkte für das Meeting durchzugehen? Wissenschaftler haben diese Fragestellungen beleuchtet und sind zu einem interessanten Ergebnis gelangt. Ist dieses Ergebnis auch interessant für den Arbeitnehmer? 

2013 wurden die Ergebnisse einer Studie der Humboldt-Universität Berlin unter der Leitung von Professor Werner Sommer veröffentlicht (Sommer W et al. (2013) How about Lunch? Consequences of the Meal Context on Cognition an Emotion. PLoS ONE: doi:10.1371/journal.pone.0070314). Seine Forschungsgruppe untersuchte, welche kognitiven und emotionalen Prozesse durch ein gemeinsames Essen ausgelöst werden.

Gemeinsam entspannter aber auch weniger aufmerksam

Dazu wurden 32 Studienteilnehmerinnen in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine Gruppe besuchte ein nahe gelegenes Restaurant, um dort zu Mittag zu essen. Die Teilnehmerinnen durften eine Begleitperson mitnehmen, aus verschiedenen Menüvorschlägen auswählen und hatten ausreichend Zeit zum Essen.

Die Kontrollgruppe sollte ihr Mittagessen in einem kargen Büroraum zu sich nehmen – ohne Gesellschaft, mit fest gelegtem Menü und mit nur knapp bemessener Zeit.

Im Anschluss an die Mahlzeit wurde in beiden Gruppen die Wirkung des Essens auf Emotion und Wahrnehmung mittels standardisierter Messmethoden, wie EEG (Messung der Gehirnströme), Fragebogen und Messung der Reaktionszeiten ermittelt. 

„Bei einer gemeinsam eingenommenen Mahlzeit lässt die kognitive Kontrolle etwas nach, das heißt man wird liberaler und nachlässiger, nimmt eigene Fehler weniger ernst“, erklärt Professor Sommer die Ergebnisse. Die Untersuchungen zeigen, dass die Gruppe, die das Essen im Restaurant eingenommen hat, nachher deutlich entspannter, müder und leichter ablenkbar war und im Test ihre Fehler nicht erkannte, während die Kontrollgruppe eine höhere Konzentrationsfähigkeit nach der Mittagspause an den Tag legte.

Aber was heißt das nun für den Arbeitnehmer? In kreativen Berufen und vor konfliktgeladenen Meetings ist es besser in Gesellschaft im Restaurant zu essen? Und Mitarbeiter, bei denen eine hohe Konzentration und exaktes Arbeiten gefordert ist, essen am besten alleine in einem kargen Büroraum? Ist das wirklich umzusetzen?

Keine Ablenkung beim Essen

Ist es nicht vielmehr wichtig, die Art und Weise unserer Nahrungsaufnahme zu überdenken? Auf dem Weg zur Arbeit holen sich Viele morgens schnell ein süßes Gebäckstück und einen Kaffee und frühstücken in der U-Bahn. Beim Mittagessen sitzt man vor dem Computer, beantwortet Emails und isst nebenbei.

Die Nahrungsaufnahme ist für uns zur Nebensache geworden, obwohl sie doch für unsere Körperfunktionen und unsere Psyche essentiell ist. So gibt es verschiedene Untersuchungen, die zeigen, dass Ablenkung beim Essen, sei es vor dem Computer, vor dem Fernseher oder beim Lesen, zu einer Verminderung des Sättigungsgefühls führt. Daraus folgt, dass unter diesen Bedingungen zu viel gegessen wird. Zusätzlich führt die Verminderung des Sättigungsgefühls aber auch dazu, dass sich der Hunger schneller wieder einstellt. 

Auch die Geschmacksintensität der Speisen beim Essen „nebenbei“ wird reduziert wahrgenommen. Eine vermehrte Nahrungsaufnahme ist die Folge, um doch noch etwas von der Mahlzeit zu schmecken.

„Essen hält Leib und Seele zusammen“

Nicht vergessen darf man natürlich auch die Tatsache, dass Essen und Psyche sehr eng verbunden sind: ein genussvoll eingenommenes Essen führt zu Wohlbefinden und Entspannung, ein nebenher hinuntergeschlungener Snack hingegen wird nicht als Befriedigung wahrgenommen.

Wer seine Tupper-Dose vor dem PC auspackt, hat keine richtige Auszeit! Die eingehende Email oder das Telefon wird trotz „Pause“ beantwortet. Das bedeutet, dass auch beim Essen „Multitasking“ nicht funktioniert: es ist nicht möglich, dem Essen und der Tätigkeit, die man gleichzeitig zum Essen macht, die volle Aufmerksamkeit widmen. Und gesund ist es auch nicht: Körper und Geist brauchen nach der Hälfte des Arbeitstages die mittägliche Pause dringend als Erholungszeit, um wieder zu regenerieren.

Und nun?

Wie so oft ist der gesunde Mittelweg die beste Lösung: Klinken Sie sich für 30 Minuten aus dem Arbeitsalltag aus. Verlassen Sie den Arbeitsplatz und legen Sie Ihr Handy weg. Richten Sie sich Ihr Essen appetitlich auf einem Teller an und setzen Sie sich zum Essen hin. Wenn Kollegen mit Ihnen essen, versuchen Sie sich über Themen außerhalb des Arbeitslebens zu unterhalten oder nutzen Sie die Pause zum Austausch mit anderen Abteilungen. So bleiben Sie auf dem aktuellsten Stand. Essen Sie bewusst, schmecken und genießen Sie die verschiedenen Geruchs- und Geschmacksnuancen, die Ihr Essen bietet. Und falls Sie noch Zeit haben, nützen Sie diese für einen kurzen Spaziergang an der frischen Luft. So tanken Sie ausreichend Energie, um den Anstrengungen des Nachmittags gewachsen zu sein.

Ein Beitrag von
Dr. Kathrin Hausleiter
Erstellt am 02.05.2016
Aktualisiert am 02.05.2016
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