Das Handbuch der Lebensgeschichten

Startup Unternehmen Watchado

whatchado & das Handbuch der Lebensgeschichten

whatchado – immer öfter sind wir in der letzten Zeit auf diesen Namen gestoßen – eine Plattform, bei der Menschen die Möglichkeit haben, über sich und ihren Job zu erzählen. Eine innovative Recruiting Möglichkeit. Unser Interesse war geweckt! Wir wollten die Macher und das Team von whatchado unbedingt persönlich kennenlernen und waren neugierig, wer wohl hinter dieser bahnbrechenden Idee steckt. Barbara vom E-Block Team hat sich auf den Weg nach Wien gemacht, um bei whatchado hinter die Kulissen zu blicken.

Wien ich komme. Es war eh wieder einmal an der Zeit, einer meiner europäischen Lieblingsstädte einen Besuch abzustatten. Eines dieser Brückenwochenenden im Wonne- und Sonnenmonat Juni gab mir ausreichend Gelegenheit dazu. Verband ich mit Wien bis zu eben diesem Wochenende, gemütliche Kaffeehäuser, leckere Riesenschnitzel bei Figlmüller, Nasch- und Flohmarkt, Kunstmuseum und Kulturevents, so steht Wien seit eben jenem Wochenende für mich auch unter dem Motto we love, what we do des jungen, erfolgreichen Startup-Unternehmens whatchado, das sich selbst Handbuch der Lebensgeschichten nennt.

Während des Interviews mit Unternehmensgründer Ali Mahlodji, ertappte ich mich dabei, meinen eigenen Berufsweg rückwirkend zu beleuchten. Natürlich hatte er ins Schwarze getroffen mit seinen Keywords wie unvorhergesehene Abzweigungen, Umwege oder Richtungswechsel bei Ausbildung und Berufswahl - ergeht es nicht fast jedem so? Doch zurück zu whatchado und dem Handbuch der Lebensgeschichten. Die Geschichte, die Ali auftischt, klingt anfänglich ein wenig nach orientierungslosem Angeber. Bei näherem Hinsehen ist der Typ aber konsequent und hat schlicht seinen Lebenstraum, den er bereits im Alter von 15 Jahren unverblümt träumte, in die Realität umgesetzt.

Wer ist Ali Mahlodji?

Ali nennt sich selbst Chief Storyteller, CEO & Founder von whatchado, dem Handbuch der Lebensgeschichten. Ali ist Schulabbrecher und hat bis zu seinem 26. Lebensjahr schon 40 verschiedene Berufe ergriffen. Auf seinem Berufsweg hat er unter anderem abends eine Hochschulausbildung zum Softwareentwickler absolviert und war mit 26 Jahren Unternehmensberater.

Wie kam es zur Idee von whatchado - Alis Kindheitstraum?

Auf diese Frage kommt von Ali prompt die Gegenfrage: „Hast du dir ausgesucht, wo du geboren wirst?“ Denn so oder fast ähnlich war das auch mit whatchado. „Früher oder später wird jeder gefragt, was er einmal werden will, auch ich“, fährt Ali fort. Als er knapp 15 Jahre alt war, wurde er, als Schulabgänger ohne Abschlusszertifikat vor diese Frage gestellt und antwortete darauf, dass er es nicht wisse, da er keinen Überblick über alle Möglichkeiten habe, die sich vielleicht böten.

Und da war sie wieder, seine Idee, die ihn schon seit seiner Kindheit nicht mehr los ließ: Eine Art Freundebuch (für ältere Leser: Poesiealbum), in dem alle Menschen dieser Welt, Antworten auf sieben Fragen zu ihrem Beruf geben. Keine Frage mehr und keine Frage weniger. Das ganze sollte kostenlos sein, damit jeder diese Übersicht nutzen kann, um sich zu informieren, welche Berufe es gibt, welche Tätigkeiten diese beinhalten und welche Möglichkeiten sich bieten, um aus dem Beruf eine Berufung zu machen.

Wie ein Freundebuch oder Poesiealbum sieht die Internetplattform whatchado zwar nicht aus, aber sie ist ein anregendes, ansprechendes und hervorragend gemachtes Medium, um sich zu informieren, welche beruflichen Möglichkeiten die heutige Welt bietet.

Mit Kurzvideos stellt whatchado Berufe vor – stopp, anders herum, die Menschen, die den Beruf ausüben, stellen sich und ihren Beruf im Video vor. Das ist ein authentischer, fast schon intimer Blick auf „Menschen mit Beruf“, eine informative Sichtweise ohne Werbeblabla und Marketingfinessen, die lediglich auf höhere Einschalt- oder besser Berufsausübungsquoten zielen.

Alis Lieblingsvideo?

Das Video des Wiener U-Bahnfahrers, Patrick Cerni. Ali war mal in Kuba, da hat sich selbst nach vier Stunden Wartezeit auf die öffentlichen Verkehrsmittel fast niemand aufgeregt. In unserer westlichen Welt reicht für die 100-prozentige Aufregung eines kompletten U-Bahnsteiges eine Verspätung von fünf Minuten.

Der interviewte U-Bahnfahrer aus Wien ist dennoch ganz entspannt und locker, wenn er von seinem Beruf erzählt. Schon sein Vater, sein Großvater und auch seine Urgroßväter in dritter und vierter Generation hatten für die Straßenbahn gearbeitet. Er selbst führt diese  Familientradition voller Überzeugung, mit viel Freude und Stolz fort.

whatchado – wie begann es?

Es waren einmal Ali und sechs seiner Freunde, die im Jahr 2010 mit einer kleinen Handkamera loszogen und Freiwillige eben mit den sieben magischen whatchado-Fragen aus dem „Handbuch der Lebensgeschichten“ konfrontierten. 17 Videos schnitten die sieben Freunde auf diese Art und Weise und luden sie im Netz hoch. Videos, in denen sympathische Menschen nur anhand von sieben Fragen ihren Beruf vorstellen, ohne Regieanweisung und Redemanuskript floskelfrei über das sprechen, was sie täglich tun und womit sie ihr Geld verdienen.

Die Freunde verdienten zu diesem Zeitpunkt noch kein Geld mit den kleinen Berufsvideos, die sie an ihren Wochenenden drehten und schnitten. Doch als der österreichische TV-Sender ORF in nur zweieinhalb Minuten über whatchado und ihre Online-Aktivitäten informierte, sollte sich dies sehr bald ändern. Kurz nach der Ausstrahlung kamen die ersten Anfragen von Unternehmen, wie hoch die Kosten für ein Video seien, um eine bestimmte Fachtätigkeit ihres Unternehmens auf die gleiche Art und Weise vorstellen zu können, wie in den typischen whatchado-Videos?

whatchado heute

Nur ein kurzes Zögern auf der Seite der sieben Freunde und schnell war das Businessmodell gefunden. Ali kündigte seinen bis dahin „39. Job“ und wurde Gründer von whatchado, dies geschah im Januar 2012. Aktuell zählt das stetig expandierende Unternehmen rund 35 Mitarbeiter. Die Taktung zum Dreh der Videos lautet heute 1:1 - ein bezahltes Video von Unternehmen kommt auf ein unbezahltes mit einem Protagonisten, der gerne seine Geschichte erzählt.

Aktuell findet der User auf whatchado.com knapp 2.000 Videos, Tendenz stetig steigend. Was er nicht findet sind Werbung, Pop Ups oder sonstige störende Dinge, die nicht interessieren. Das schafft Vertrauen. Denn ist der User erst einmal beim whatchado-Matching angelangt, sollte er genau das in die Plattform haben. Hier heißt es, konzentriert auf vierzehn gezielte Fragen zur Person, den persönlichen Interessen und Vorlieben wie auch den individuellen Wahrnehmungen zu antworten. Diese führen den Suchenden dann zu einer Auswahl an ‚Menschen mit Beruf‘. Mit der Angabe eines bestimmten Prozentsatzes haben diese Menschen auf die gleichen Fragen in gleicher oder sehr ähnlicher Weise geantwortet. Das Matching gibt mir als User die Möglichkeit, Menschen zu entdecken, die mir ähnlich sind und die ich dann über ihr persönliches whatchado Berufsvideo kennenlernen kann. Ich fühlte mich gleich bestätigt: Als Teambloggerin hatte ich mit Romana Nachbauer, ihres Zeichen Journalistin und Redakteurin von Ö3 ein Matching von 90 Prozent. Passt.

Welche Ziele haben Ali und whatchado?

„Mein persönliches Ziel für die Zukunft ist, auf jedem Kontinent dieser Erde einmal zu leben und zu arbeiten. Und mit 62 möchte ich gerne mich noch so jung fühlen wie meine Mutter heute. Sie ist neuen Dingen gegenüber immer aufgeschlossen und lernt gerade wieder eine neue Fremdsprache“, antwortet Ali.

Das Ziel von whatchado ist es, Menschen mit gleichen Interessen und Talenten egal welchen Alters miteinander zu verbinden. Ihnen zu zeigen, wo und wie ihr Traumjob bereits zum Einsatz kommt und wo Unternehmen zu finden sind, die eben diesen anbieten und sich für sie als Bewerber interessieren. Dabei spielen Landesgrenzen, Sprachgrenzen und auch das Überwinden von Kontinenten keine Rolle.

Keine Utopie, denn schon heute begeben sich whatchado-Mitarbeiter für einige Monate auf Weltreise und filmen, was das Zeug hält. Voith AG zum Beispiel, ein deutsches, weltweit agierendes Familienunternehmen setzt die whatchado-Berufsvideos aktuell für seine Standorte China und Brasilien aktiv ein. Die Drehs hierfür haben jeweils vor Ort stattgefunden. Die meisten Anfragen kommen aber im Moment noch aus den deutschsprachigen Ländern Österreich, Schweiz und Deutschland.

Wie kommt das Video auf die Plattform?

Über 3.000 Anfragen zu Video-Drehs gingen bei whatchado bisher ein. whatchado selbst priorisiert. Eigennützige Selbstdarsteller werden gleich verworfen. Anfragen von Einzelpersonen werden auf ihren möglichen Informationsgehalt, den Informationszugewinn für die User und auch auf die Bereicherung der Berufelandschaft hin geprüft. Unternehmenspräsenzen auf whatchado starten im Durchschnitt bei 16 Videos, die Grenze nach oben ist offen. Gemeinsam mit whatchado trifft das Unternehmen die Wahl der vorzustellenden Berufe. Siemens Deutschland zum Beispiel hat dieses Kontingent rasch voll ausgeschöpft und verwendet die Drehs nun auch in allen möglichen weiteren Kommunikationskanälen der Social Media und Websites. Viele Unternehmen legen rasch nach und erhöhen die Zahl der Berufsvideos, um einen umfassenden Blick auf ihr Unternehmen zu gewähren.

Auf whatchado werden aktuell über 100 neue Berufsvideos monatlich hochgeladen. Über 100 Menschen also, die über ihren beruflichen Lebensweg erzählen, die andere auffordern sich mit diesem auseinanderzusetzen, die ohne Worthülsen und Schönfärbefloskeln authentisch, gerne und überzeugend über sich und ‚what they do and love‘ sprechen. Nicht jeder eignet sich für eine derart minimalistische und ehrliche Selbstdarstellung. Doch viele Teilnehmer outen sich als wahre Vertreter und Kämpfer für ihren Berufsstand, denn nur selten haben sie die Gelegenheit zum Ausdruck zu bringen, dass sie das, was sie tun, wirklich lieben. So manches Video hat Ähnlichkeit mit einer Liebeserklärung. „Diese Menschen sind dann auch wirklich begeistert von ihrem Video und fühlen sich geehrt“, verrät Ali.

we love what we do ist das Motto von whatchado. Das habe ich gleich beim Betreten der schlichten, stilvollen, lichtdurchfluteten Wiener Altbauwohnung am Wiener Möllwaldplatz, die sich über eine komplette Etage erstreckt, gespürt. Man kann das jetzt mit typischen Start Up Allüren wie jung, dynamisch und motiviert abtun. Ich möchte dagegenhalten, dass die Leute bei whatchado für diesen Slogan stehen. Sie lieben, was sie tun. Sie sind wie die Menschen in den Videos, die sie einladen, zu denen sie reisen, über die sie drehen, deren Videos sie bearbeiten, schneiden und letztendlich hochladen.

Gibt es den netten Kellner, der mir nach meinem Besuch bei whatchado im Kaffeehaus eine Melange servierte, schon auf whatchado? Gibt es noch genügend Menschen, die in ihrem Beruf gerne andere bedienen und ihren Gästen somit den Tag verschönen, die lieben, was sie tun? Hoffentlich, wenn nicht, bitte ich whatchado ihn zu filmen, damit auch dieser Berufstand wieder zur Berufung wird.

E-Block-Team
Ein Beitrag von
E-Block-Team
Erstellt am 04.07.2014
Aktualisiert am 04.07.2014
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