3. Beitrag: Besprechung vor dem Workshop

©Ute Bivona

Was bisher geschah…

  • Durch gute Überzeugungsarbeit setzen sich Horn und Berger an einen Tisch
  • Widerstände durch Berger werden Stück für Stück abgebaut
  • Provokative Kritzelei, die sich schnell im Unternehmen verbreitet, trifft Berger härter als erwartet

 

Vorbereitung auf den Workshop zur Verbesserung der Mitarbeiterzufriedenheit

Das nächste Gespräch zwischen Geschäftsleitung und  Personalabteilung  findet aus gegebenem Anlass bereits in der darauffolgenden Woche statt. Diesmal sind neben Horn und Berger auch Reiter  und Neumann mit dabei.  Berger kommt nochmals auf die per E-Mail und WhatsApp verbreitete Zeichnung zu sprechen: „Wenn ich ehrlich bin, hat mich dieses Geschmiere schon getroffen. Aber ich will das jetzt auch nicht überbewerten.“

 Horn kann ihn verstehen, erläutert aber dennoch sachlich:  „Eine Karikatur oder hier bei uns eben diese Zeichnung ist immer auch ein Ventil oder Angebot. Jetzt liegt es an uns, die Ergebnisse transparent zu machen und dann zu liefern.“

 Neumann mischt sich nun ein, denn sie hat Vergleichszahlen zu anderen Unternehmen recherchiert: „Unsere Krankenquote mit 4,2 % liegt im Mittelfeld der Metall- und Elektroindustrie, genauso wie in anderen Branchen. Auch die Bewertungen bei Kununu halten sich die Waage: Drei negative Feedbacks mit mehr oder minder dürftigen Aussagen, dafür zwei gute Einschätzungen…“. „Seit ein Großunternehmen den maroden Betrieb in der Nachbarstadt wieder auf Vordermann gebracht hat, werben die uns manchen guten Mitarbeiter ab“, nimmt  Horn  den Faden von Neumann auf. „Sorgen machen sollte uns auch die Zahl der Arbeitsverträge, die wir Bewerbern zugeschickt haben, die nicht unterschrieben werden. Auch unsere Quote der Ausbildungsabbrüche und Weggänge nach bestandener Prüfung nimmt seit drei Jahren kontinuierlich zu.“

 Berger ist skeptisch. “Frau Neumann, Frau Horn, danke für Ihre Recherche, doch im Moment hilft uns das nicht wirklich weiter. Am Ende wollen alle mehr Geld. Doch jeder müsste bei sich anfangen, wenn etwas mit seiner Motivation nicht stimmt, statt nur auf die Anderen zu zeigen! In unserer Firma wird eben hart gearbeitet und das zeichnet uns gegenüber dem Wettbewerb aus. Wir sind gezwungen, dem Kostendruck so entgegenzuwirken.“

Horn sieht den richtigen Moment gekommen und schlägt vor mit Vertretern aus allen Teilen der Belegschaft offen zu erörtern, wie man einige der benannten Schwachpunkte aus der Mitarbeiterbefragung angehen und das Leistungsklima verbessern kann. Sie hat vor, dies zügig und pragmatisch anzugehen. Dazu würde sie, das Einverständnis beider Geschäftsführer vorausgesetzt, die Führungskräfte nach interessierten und kritisch-konstruktiven Mitarbeitern fragen. Diese sollen aus Fertigung, Logistik, Kundendienst, Qualitätssicherung, Controlling, usw. kommen. Auch zwei oder  drei Führungskräfte, ein Mitglied des Betriebsrats und ein Ausbildungsverantwortlicher sollten am  Workshop teilnehmen.

Berger bleibt zunächst skeptisch: „Und was soll dabei rauskommen? Freitags für alle ab 12 Uhr Feierabend? Jeder kann kommen und gehen, wann er will? Alle, die länger als drei Monate Betriebszugehörigkeit nachweisen können,  bekommen einen Dienstwagen?“

Horn lässt sich nicht provozieren und  Neumann kommt ihr zu Hilfe: „Ich habe von einem Unternehmen gelesen, die haben sich darauf verständigt, 200€ pro Jahr pro Mitarbeiter speziell in das Thema Motivation zu investieren, also nicht in Fortbildung oder Arbeitsmittel.“

Berger: „Das wären bei uns knapp 50.000 € im Jahr-  sprich ein Facharbeitergehalt. Und woran wollen Sie den Erfolg messen? Dass mehr Leute auf die Weihnachtsfeier kommen?“

Neumann fährt fort: „Klar ist das schwierig, hierfür eine saubere Kennzahl zu definieren. Doch wenn, so lief es bei diesem Unternehmen, dadurch jeder Mitarbeiter nur einen Tag pro Jahr im Verhältnis weniger ausfällt, hat man schnell den drei-bis fünffachen Gegenwert.“

Berger: „Ja, ich verstehe, was Sie meinen. Das ist auf jeden Fall interessant, doch bei uns wird das so nicht  laufen. Sie wissen schon warum, mein Vater …“

Horn: „Ja ich weiß. Dennoch schlage ich Ihnen eine Wette vor. Mit kluger Vorgehensweise können wir ähnliche Effekte erzielen: 200 € Investition pro Mitarbeiter in diesem Jahr und Sie können am Ende des Jahres in der Bilanz einen entsprechend positiven Effekt ausweisen. Sogar nach außen gegenüber Bewerbern und in der Presse.

Der Geschäftsführer schaut sie kritisch an, schmunzelt aber dann:  „Ich wette gerne, aber nur privat.  Wir müssen unabhängig vom Geld Wege finden. Bitte holen Sie Ihre gewünschten Mitarbeiter, meinetwegen 20 Personen aus allen Abteilungen - an den Tisch und machen einen Ideenworkshop zur Frage: Wie erreichen wir mehr Mitarbeiterzufriedenheit, ohne dass unsere Performance darunter leidet. Vom Geldausgeben sagen Sie erst mal nichts. Wenn tragfähige Ideen dabei sind, können wir uns immer noch über ein Budget unterhalten.“

Gemeinsam anpacken, lautet die Devise

Vier Wochen später, Do., 12.30 Uhr vor dem  Schulungsraum von Strahlvox:

Auf Anraten vom Betriebsratsvorsitzenden Martin Keller (35) hat Horn den Termin für den Workshop so gelegt, dass ihn alle 18 eingeladenen Personen wahrnehmen können. Suppe und  belegte Brötchen werden als Mittagsverpflegung angeboten. Vertreter der verschiedenen Abteilungen stehen in Gruppen zusammen. Horn  bemüht sich um eine ungezwungene Atmosphäre. Sie hat Bernd Krüger und Silke Fahrnholz als erfahrene Change-Moderatoren für den Workshop  verpflichtet. Kurz vor 13:00 Uhr stoßen  Berger und Reiter zur Workshoprunde dazu. In einer kurzen Ansprache betonen beide, dass ihnen ein offener Austausch mit dem Team wichtig ist und sie offen für Vorschläge sind. „Wir freuen uns auf Ihre kreativen Ideen und wir hoffen am Ende des Tages, dass wir eine Basis haben, auf der wir aufbauen können. Zeigen Sie uns, welchen Stellenwert  die Arbeit bei Strahlvox für Sie hat!“

Neugierig geworden? Im 4. Beitrag ist der Workshop in vollem Gange… Sie lernen seine Teilnehmer kennen und erfahren Einzelheiten zum Ablauf und zur Zielsetzung.

WEITER ZU TEIL 4


Ein Beitrag von
Frank Müller
Erstellt am 24.04.2017
Aktualisiert am 24.04.2017

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