44 Euro Sachbezug als Sachgeschenk oder Guthabenkarte - der Unterschied

Unter Betracht: Monatlicher Sachbezug bis zu 44 Euro in Form eines Geschenkes.

Streitobjekt: Verpackung und Zustellung

Eine Prämie für unfallfreies Fahren und pfleglichen Umgang mit den Fahrzeugen der Spedition soll es schon sein, entschied eine Unternehmerin in Baden-Württemberg und überraschte ihre Mitarbeiter mit einem Paket, das an die jeweilige Privatadresse des prämienbegünstigten Mitarbeiters gesendet wurde. Sie hatte mit viel Mühe individuelle Geschenke für ihre Mitarbeiter ausgesucht, die sich im finanziellen Rahmen des von Steuern und Sozialabgaben befreiten Sachbezug von bis zu 44 Euro monatlich bewegten.

Ziel: Belohnung und Anerkennung

Es sollte eine wirkliche Anerkennung der Leistung sein und den einzelnen in seinem Tun und Handeln belohnen. Die Freude über die persönlichen Geschenke verbreitete sich schnell im Unternehmen und gab denen, die dieses Mal die Prämie noch nicht erreicht hatten, den Ansporn für die nächste Gelegenheit.

Böses Erwachen

Nach der Lohnsteueraußenprüfung durch das zuständige Finanzamt kam das böse Erwachen für die Unternehmerin. Pakete, deren Inhalt den Wert des monatlichen Sachbezugs von bis zu 44 Euro voll ausgeschöpft hatten, mussten aufgrund der Versandkosten dem Barlohn zugeschlagen werden und fielen somit unter die normale Versteuerung von Lohnkosten, da die Freigrenze des monatlichen Sachbezugs überschritten worden war.

So entschied das Finanzgericht von Baden-Württemberg

Dagegen klagte die Unternehmerin. Doch das Finanzgericht Baden-Württemberg gab dem prüfenden Finanzamt Recht und begründete dies wie folgt: Nicht nur der Inhalt des Pakets sei für den Empfänger ein geldwerter Vorteil, sondern auch die Versandkosten, da durch Verpackung des Inhalts wie auch der Zustellung durch Dritte Lohnkosten anfallen. Der Empfänger (hier Arbeitnehmer) sei somit nicht nur vom Inhalt sondern auch von Umverpackung und Dienstleistung begünstigt.

Opens external link in current windowFG Baden-Württemberg, Urteil v. 8.4.2016, 10 K 2128/14

Unter Betracht: Monatlicher Sachbezug bis zu 44 Euro gebunden auf eine Guthabenkarte

Streitpunkt: Setup-Gebühren für die Karte

Geschenk, Prämie, Belohnung, sei es regelmäßig oder unregelmäßig oder geknüpft an bestimmte Kriterien – der monatliche Sachbezug von bis zu 44 Euro wird dem Arbeitnehmer hierfür mittels einer Guthabenkarte zur Verfügung gestellt. Die Setup- oder Aufladegebühren, die der Arbeitgeber für die Bereitstellung der Karte und ihre technische Einrichtung tätigt, müssen nicht zum gewährten Betrag hinzurechnet werden. Somit kann der volle Betrag des Sachbezugs bis zur Freigrenze von 44 Euro monatlich für eine Aufladung genutzt werden. So entschied die Landesfinanzdirektion von Thüringen.

(Opens external link in current windowLandesfinanzdirektion Freistaat Thüringen, Mitteilungen zum Lohnsteuer-Arbeitgeberrecht Nr. 3/2015, Abruf-Nr. 185093)

Diese beiden Urteile stehen zwar nicht direkt im Widerspruch, regen aber zum Nachdenken an. So gab es durchaus die Gefahr der Vermischung der beiden Urteile. Denn nicht selten beriefen sich auch Fachleute wie Steuerberater, Rechtsanwälte oder Lohnoptimierer auf das in Baden-Württemberg gefällte Urteil, wenn es um den Einsatz von Geschenk- oder Guthabenkarten ging. Dies hat in der Branche in den letzten Monaten zu Verwirrungen geführt, die wir gerne mit dieser Gegenüberstellung aus dem Weg schaffen wollen.

44-Euro Sachbezugswert und seine Freigrenze 

 

Freigrenze von bis zu 44 Euro monatlich beinhaltet

 

Urteil Baden-Württemberg (Finanzdirektion)

Sachgeschenk, inklusive Verpackungs- und Versandkosten

Urteil Thüringen (Landesfinanzdirektion)

mtl. Sachbezug von 44 Euro auf Guthabenkarte exklusive Setup-Kosten für die Karte

 

44-Euro Sachbezug rechtsicher und gezielt anwenden

Wie auch immer Sie sich entscheiden, welche Anerkennung Sie Ihren Mitarbeitern zukommen lassen wollen, wählen Sie den Weg, der für Sie und für die Begünstigten der Prämie oder der Belohnung am gewinnbringendsten ist.

Ein persönliches Geschenk ist von hoher Wertigkeit, wenn Sie den Geschmack und die Wünsche Ihres Gegenübers sicher treffen. Ein Gutschein, der die Möglichkeit bietet, aus zahlreichen Angeboten das für sich passenden herauszusuchen, spielt dem Gutscheinempfänger die „Freude der Wahl“ ins Feld.

Geschenk versus Gutschein

Eine regelmäßige Belohnung oder Anerkennung auf diesem Wege, ermöglicht dem Arbeitgeber seinem Mitarbeiter einen Betrag von bis zu 528 Euro jährlich brutto für netto zukommen zu lassen. Verwendet er eine wiederaufladbare Guthabenkarte, kann die monatliche Prämie sogar bis zu diesem Maximalbetrag nach 12 Monaten/Aufladungen und darüber hinaus angespart werden. In keinem Moment stellt sich während des gesamten Zeitraumes die Frage, ob Gebühren den Sachbezugswert eventuell schmälern.

Darauf sollten Sie bei der Wahl des Gutscheinanbieters achten

Zwei Dinge müssen  bei einer Finanzprüfung gewährleistet sein:  Der Arbeitnehmer und gleichzeitig Empfänger der Sachbezugsprämie kann diese nicht in Bargeld umwandeln  und der Zufluss des monatlichen Betrages (Zuflussprinzip) ist tatsächlich monatlich erfolgt (entsprechende Kennzeichnung des Betrages auf der mtl. Lohn- oder Gehaltsabrechnung). Anbieter von Guthabenkarten lassen sich dies vertraglich von den angeschlossenen Akzeptanzstellen bestätigen und bieten so ihren Kunden die Sicherheit, dass der 44- Euro Sachbezug rechtsicher und regelkonform gemäß § 8 Abs. 2 Satz 11 EStG angewendet wird.

Ein Beitrag von
E-Block-Team
Erstellt am 04.01.2017
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